Brücken und Schleusen

Brücken und Schleusen gehören zu einem Bootsurlaub auf Binnengewässern einfach dazu. Manchmal sind sie auch etwas lästig, vor allem dann, wenn es mal wieder viel zu lange dauert, bis die Ampel von Rot auf Grün/Rot (Vorbereiten) umschaltet und vor dem Hindernis keine geeigneten Festmacher für den Zwischenhalt existieren. Denn ein Schiff bleibt schließlich nicht auf der Stelle stehen wie ein Auto. Es treibt ab, ändert die Richtung ode rnähert sich gefährlich dem Nachbarn  -  Bei Wind und Strömung hat der Skipper ganz schön zu tun, um das Boot auf Kurs zu halten.

Wichtig: Vor dem Nähern an die Brücke/Schleuse gilt es, sich und die Crew auf das Kommende vorzubereiten. Eine Brücke ist meistens schon weit vorher auszumachen. Und dann sollte der Skipper auch schon hundertprozentig wissen, ob die Brücke vielleicht hoch genug ist, um drunter durchzufahren. Hier ist auf das Verkehrszeichen im oberen Teil der Brücke zu achten, das angibt, wo gefahren werden darf.  
Angaben zur Höhe der Brücke sind in der Gewässerkarte bzw. im dazugehörenden Almanach sowie in der Karte der App vermerkt. Die Durchfahrtshöhe des Bootes steht in den Bordunterlagen.  Ist der Skipper vom Augenschein her der Ansicht, das Boot könnte knapp aber bequem unter die Brücke passen, so darf der Versuch einer Fahrt nur im Schneckentempo erfolgen, so dass das Manöver noch rechtzeitig abgebrochen werden kann. 
Sparen kann man sich das Rumkurven vor einer Brücke/Schleuse, wenn die Ampel Doppelrot anzeigt. Dann ist Pause oder schon Feierabend. Dann hilft nur noch umkehren bis zum nächsten Liegeplatz oder wenn vorhanden, am Notsteig festmachen. 

 

 

Die Ampel steht auf Doppelrot. Die Schleuse bleibt geschlossen. Sofern es nicht ausdrücklich untersagt ist, weil der Platz vielleicht für die Berufsschifffahrt reserviert ist, kann das Boot dann über Nacht am Notsteiger vor der Schleuse festgemacht werden.  

Zur frühen Vorbereitung auf das Schleusen oder die Brückenpassage gehört es auch, alle seitlichen Fender auszubringen, die sonst während der Fahrt an Deck liegen, weil sie außenbords eher stören würden. Auch sollte die Decksmannschaft für nachfolgende Manöver bereitstehen. Das könnte das Anlegen an der Schleuse oder einem Warteplatz oder das Einholen der Fender nach erfolgreicher Passage sein. 



An dieser Brücke im kleinen Ort Ossenzijl (Overijssel) geht die Brückenbedieung recht zügig vonstatten. Die grüne Ampel gibt die Durchfahrt frei. Mögliche Entgegenkommer müssten warten.

Beim Schleusen, sollte vor Einfahrt allen an Deck klar sein, ob es in der Schleuse abwärts oder aufwärts geht. Wird abwärts geschleust, dann werden auf der Anlegeseite je eine Vorleine und eine Achterleine, die am Schiff an der Klampe gut befestigt sind, einfach ohne zu verknoten um den Festmacher gelegt. Während des Schleusvorganges wird die Leine langsam nachgegeben. Indem sie unter die Klampe entlanggeführt (gefiert) und etwas stramm gehalten wird, wird verhindert, dass die Leine zu schnell nachgibt und das Boot, das ohnehin starker Strömung ausgesetzt sein kann, zu weit ausschert. 
Beim Aufwärtsschleusen geht das Ganze umgekehrt. Dabei wird die Leine nach und nach eingezogen und der Abstand zwischen Festmacher und Klampe verkürzt.
Schleusen mit größeren Höhenunterschieden verfügen oft über Rohre, Taue oder Stangen an den inneren Schleusenwänden, wo man die Leinen umlegen kann. Das hat den Vorteil, dass die Leine mit dem Wasserstand an der Stange mitläuft.
Auf keinen Fall die Leine an den Teilen der Schleuse so stark festmachen, wie man es vom Anlegen kennt! Man stelle sich vor, eine Yacht mit sechs Mann an Bord wird vor dem Abwärtsschleusen am oberen Schleusenpoller mit beiden Leinen fest vertäut und der Wasserpegel wird relativ zügig um sechs Meter abgesenkt. Dann hängt das Boot plötzlich an der Schleusenwand - bis die Leinen irgendwann reißen und es krachend abwärts geht. Das geht dann kaum ohne kapitalen Schaden aus.
Schleusen sind manchmal mit Brücken kombiniert. Dann muss je nach Lage der Brücke und nach Art des Schleusens entweder vor Einfahrt oder vor Ausfahrt in oder aus der Schleuse gewartet werden, bis der Schleusenwärter (oder die Zentrale per Fernsteuerung) die Brücke öffnet, damit das Boot hindurchpasst. 

 

Hier wurde gerade abwärts geschleust, die Brücke ist hoch genug für die Yacht zum Durchfahren, ein Segler mit Mast jedoch müsste mit der Ausfahrt warten, bis die Brücke für ihn geöffnet wird. 

Bedienpersonal befindet sich nur noch an wenigen Schleusen und Brücken. Aber fast alle Einrichtungen werden inzwischen mit Kameras überwacht und zentral gesteuert. Von Provinz zu Provinz ist das unterschiedlich geregelt. In der Provinz Friesland wurde bis vor kurzem noch  an zahlreichen Brücken oder Schleusen ein Handgeld kassiert. In den vergangenen Jahren nahm die Zahl dieser friesischen Brückenmautstellen immer mehr ab. 


Besonderheit für Nutzung von Brücken und Schleusen in Flevoland: 
Dort müssen die Skipper ihre Ankunft mit einem Zahlencode vorher anmelden. Dazu ist zunächst die zentrale Telefonnummer  +31 320 767 610 anzuwählen, unter der eine automatische Computerabfrage läuft, bei der einzelne Zahlen als Antworten einzutippen sind. 
Abgefragt wird:

Wollen Sie sich an einer Brücke anmelden oder an einer Schleuse?
Danach werden die einzelnen Einrichtungen namentlich mit Ziffern versehen, aufgerufen?
Dann wird abgefragt, aus welcher Richtung die Brücke angesteuert wird bzw. ob man von oben (boven) ankommt oder von unten (beneden) schleusen will.
Und für die Zeit, in der man ankommt, werden auch noch drei Varianten abgefragt.
Am Ende wird die Anmeldung bestätigt.
Um den Vorgang reibungslos über die Bühne zu bringen, ist es also wichtig, den Namen der Brücke oder Schleuse zu kennen und ebenfalls zu wissen, aus welcher Richtung (bsp. Emmeloord oder Urk) man ankommt bzw. wie man schleusen möchte. 
Kleines Handicap für deutsche Bootstouristen: Die Abfrage erfolgt ausschließlich auf Niederländisch! Für jene, die Niederländisch nicht verstehen, ist eine Möglichkeit, zu Beginn der Abfrage die Option zu wählen, dass man den "Medewerker" (Mitarbeiter) sprechen möchte, in der Hoffnung, dass dieser auch deutschen Bootstouristen helfen kann. Alternativ kann man auch warten, bis ein mit Niederländern besetztes Boot die gemeinsame Anmeldung übernimmt. Außerdem befindet sich direkt an den Schleusen und Brücken noch ein "Aanmeldknop", den man drücken kann.

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